Colorado Trail 2024 - Die Ausrüstung
Von Zelt und Wasserfilter bis zum kleinen Begleiter Bird: meine Ausrüstung für den Colorado Trail — Erfahrungen und Anekdoten statt Kaufempfehlungen.

Die Ausrüstung - ein beliebtes und heiß diskutiertes Thema bei Thru-Hikern. Für die Vorbereitung und den Hike natürlich ein wichtiger Aspekt, mit manchmal etwas ätzenden Auswüchsen in unserer überhitzten Konsumgesellschaft. Hier im Beitrag gibt es kein “das brauchst Du unbedingt”, keine Links oder Produktvergleiche - ein paar Produktnamen werden dennoch erwähnt, Du findest sie (oder die x-te Generation davon) in eigener Recherche :-)
Der Beitrag ist echt umfangreich. Nutze die Navigation, wenn Du schnell zu einem bestimmten Thema springen möchtest.
Werte
Eine Menge Geld für etwas liegen zu lassen heißt für mich auch, soweit möglich den Kauf entlang der eigenen Werte zu gestalten (kennst Du Deine Werte?). Das kann hier nur eine Anregung sein, und wenn Du hier zu anderen Entscheidungen kommst: völlig ok für mich. Hier ein paar meiner Leitplanken:
- Ausrüstung von Herstellern aus der eigenen Region kaufen. Für mich heißt das Produkte aus Deutschland/Europa.
- Möglichst kein “Made in China”. Das ist manchmal recht trickreich - weil die Firmen selbst durchaus z.B. in Europa sitzen. Ich erwähne hier z.B. Fjällräven. Das habe ich teilweise auch erst nach einer Bestellung festgestellt. Inzwischen recherchiere ich da schon vorab etwas intensiver. Bei Elektronik wird es in diesem Punkt eng…
- Achtet der Hersteller auf faire Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit? Das kann u.U. den vorigen Punkte ergänzen. Wenn (wie bei Fjällräven) fair in China produziert wird, ist das vielleicht immer noch besser als miese Produktionsbedingungen anderswo auf der Welt.
- Möglichst nicht bei Amazon bestellen. Es gibt für sehr viele Produkte andere Bestellmöglichkeiten, vielleicht auch bei einem lokalen Händler. Man braucht nur in den seltensten Fällen eine Übernacht-Lieferung. Und ich sehe es nicht ein, Multimilliardären noch mehr Geld in den *** zu pusten.
Es wird immer ein Kompromiss sein, nicht alles lässt sich erfüllen. Trotzdem glaube ich, dass es wichtig ist, bei den Vorbereitungen - und auch unterwegs - seinen Werten zu folgen und nicht einfach nur zu konsumieren. Das kann bei Dir natürlich zu anderen Entscheidung führen als bei mir!
Ok, falls Du noch nicht ausgestiegen bist - jetzt zu meiner Ausrüstung.
Rucksack
Mein Exped Thunder 70 hatte eine gute Größe, der Bear Container passte ordentlich hinein, und ich musste außen keine Isomatte oder so befestigen. Also alles im Rucksack drin. Mit ca. 1,6 kg allerdings auch kein Leichtgewicht. Mit Material und Haltbarkeit war ich sehr zufrieden, etwas störend war, dass es bei jedem Schritt - mal mehr mal weniger - ein knarzendes Geräusch gab. Ich hab leider nicht herausgefunden, wo genau das Geräusch herkam. Er war auch ziemlich wasserfest. Eine Regenhülle hatte ich nicht dabei, stattdessen hatte ich die wasserempfindlichen Inhalte in extra Müllbeutel gepackt. Für die nächste große Tour ist hier jedenfalls ein gutes Potential zur Gewichtsreduktion (hab auch schon was im Blick…).
Zelt
Ich hatte mich für ein Hilleberg Enan entschieden, ein doppelwandiges Tunnelzelt. Auch hier keine Ultralight-Variante mit ca. 1,2 kg - aber ich fand das Zelt genial. Das Innenzelt schützte schön vor den Moskitos in ein paar Abschnitten, und auch bei ordentlich Wind/Regen über der Baumgrenze hatte ich darin ein sicheres Zuhause. Ich nutzte zusätzlich ein Footprint, nicht von Hilleberg sondern ein kleineres nur für die Liegefläche. Das hat sich unterwegs bewährt und wiegt etwas weniger als das von Hilleberg. Werde ich auch wieder mitnehmen, als Schutz gegen scharfe Steinchen oder Holzsplitter.

Schlafsysten
Ein Daunenschlafsack - laut Spezifikation bis ca. - 2 °C, dazu ein leichtes Seideninlett. Letzteres wiegt fast nix, bildet noch eine kleine extra Isolationsschicht, und kann auch mal separat gewaschen werden. Dazu ein kleines aufblasbares Kissen, und eine ganz dünner Schaumstoffmatte für unter den Schlafsack. Wieder als kleine extra Isolationsschicht. Dazu noch eine aufblasbare Isomatte (von Exped). Die Schaumstoffmatte würde ich evtl. weglassen (75 g), das extra Gewicht fürs Kissen war mir es Wert in Sachen Komfort. Mit den Temperaturen bin ich mit der Ausrüstung gut gefahren (ich schätze, dass es kaum mal unter 5 °c lag), in Richtung Gefrierpunkt wär’s vermutlich schon mal etwas kühl im Zelt geworden. Beim Schlafsack wäre mit 870 g wohl auch noch Potential, um Gewicht zu sparen - ich bleibe vorerst jedoch bei dem, den ich habe.
Schuhe & Co.
Ich hatte mich für die Brooks Cascadia 17 entschieden. Schon im Training merkte ich, dass ich damit gut zurechtkommen würde. Bei einer Sache war ich mir nicht ganz sicher, inwiefern andere Schuhe bzw. Sohlen vielleicht etwas besser sein könnten:
Ich empfand die Sohlen bergab bei Schotter, oder wenn der Weg eine starke Schräge hatte, manchmal etwas rutschig. Aber dazu habe ich keinen Vergleich mit anderen Schuhen, hier muss man vermutlich mit allen Modellen achtsam seine Schritte machen. Auf Felsen, bei Nässe und den sonstigen Bedingungen auf einem Trail war ich jedenfalls sehr zufrieden.
Weiterhin hatte ich fürs Wandern zwei Paar Darn Tough-Socken dabei, und noch zusätzlich eines nur für die Nacht. Sehr gute Entscheidung, dabei bleibe ich.
Zur Abrundung noch zwei psychedelische Dirty Girls Gamaschen. Es gab bei der Bestellung entweder dunkelblau, oder … bunt. Dann natürlich letzteres - ein bisschen Stil auf der Strecke kann nichts schaden! Wie gut sie jetzt geholfen haben, kann ich gar nicht so richtig sagen, da ich sie einfach immer anhatte. Jedenfalls gab es abgesehen von Feinstaub und Fußschweiß keine groben Teile im Schuh, die dort nicht hingehörten.

Trekking-Stöcke
Ich hatte zusammenfaltbare Alu-Stöcke von Black Diamond. Die Gummispitzen verlor ich bereits am zweiten Tag - soviel zu “Leave no trace”… Jedenfalls waren für mich die Stöcke absolut hilfreich, abwärts beim Abstützen und Schonen der Gelenke, aufwärts mit einem extra Schub Kraft aus den Armen. Gelegentlich störten sie ein wenig - in den teils riesigen Schutthalden blieben die Spitzen regelmäßig zwischen den Steinbrocken stecken, und an manchen Stellen war der Pfad schmal bzw. links und rechts stark bewachsen mit Gras oder Gebüsch. Aber insgesamt - sehr zufrieden damit.
Kleidung
T-Shirts und Unterwäsche war aus Merino, alles von Kaipara - einer deutschen Marke. Insgesamt zwei T-Shirts, zwei Unterhosen, und einmal lange Unterwäsche für die Nacht. Nächstes Mal würde ich evtl. ein drittes T-Shirt mitnehmen. Zwei abwechselnd fürs Wandern, eins was ein bisschen sauber bleiben darf wenn es in Richtung Zivilisation geht. Wär so ein kleiner Luxus, den ich nicht schlecht fände.
Als Mid-Layer eine Ortovox-Jacke, mit Merino-Anteil. Handschuhe (die ich nicht brauchte, aber dennoch wieder mitnehmen würde), einen Hut mit breiter Krempe sowie Wanderhosen (Hosenbeine ab Knie waren zum Abmachen) - beides von Fjällräven. Die Qualität hat gestimmt. Dazu noch ein überflüssiger Moskitoschutz für den Kopf - war ein Tipp in einem YouTube-Video, aber das bleibt beim nächsten Mal zuhause.
Für starken Regen hatte ich einen Poncho, der auch über den Rucksack passte. War sehr ok, außer dass es etwas schwierig war, das Teil einigermaßen fix über den Rucksack zu bekommen. Gut, dass mich da (hoffentlich) keiner beobachtet hat. Ein Fall für die nächste Thru-Hiking Comedy! Regenhosen hatte ich auch dabei, die waren allerdings auch überflüssig zusätzlich zum Poncho.
Mit allen Materialien war ich sehr zufrieden - ein paar Kleinigkeiten werde ich beim nächsten Mal nicht einpacken.
Behälter
Man schmeißt ja nicht jedes Einzelteil in den Rucksack - hilfreich sind Tüten, Packsäcke, und fürs Essen ein Bear Container. Ich entschied mich für den Bear Container, weil ich keine Lust hatte, mir immer einen Baum zu suchen und mein Essen aufzuhängen. Außerdem ist der Container auch mal ein ganz angenehmer Hocker vor dem Zelt. Das erkauft man sich mit extra Gewicht (so um 1 kg), aber mir war es schon wichtig, mich in Sachen Bären, Nagetieren und sonstigen Lebensmittel-Dieben einigermaßen sicher zu fühlen. Ein anderer Hiker hatte einen “Ursack”, der tatsächlich von einem Bär gefunden wurde. Der Ursack war danach zwar noch intakt, aber das Essen darin war komplett zerbröselt und zermatscht. So musste der arme Kerl erst mal einen Resupply Trip machen, um wieder genug Essen für die Wanderung dabei zu haben.
Ein paar Packsäcke hatte ich auch noch dabei, und große, feste Müllbeutel um ein paar wichtige Dinge im Rucksack definitiv trocken zu halten (Schlafsack, Innenzelt, …). Einer der wasserfesten Beutel nutzte ich unterwegs öfter, um mal Socken, T-Shirt, Unterwäsche mit ein bisschen Seife zu waschen. So gelangt die (biologisch abbaubare) Seife gar nicht in irgendwelche Bäche oder Seen.
Für die Kamera, Geld/Papiere, und ein paar Snacks hatte ich eine Gürteltasche von Wandrd. Damit war ich sehr zufrieden - schützt prima und ist ziemlich wasserdicht. Leider wiegt es etwas zu viel, so dass ich beim nächsten Mal eine andere Lösung finden werde.
Wasser
Wasser sollte man auf der Strecke immer filtern oder sonstwie reinigen bzw. sterilisieren. Ich entschied mich für ein Katadyn Befree-Filter, dazu einen 5 l Wassersack, den ich je nach Bedarf mit ungefiltertem Wasser auffüllte, und von dort aus unterwegs zum Filtern trinken konnte. Fürs Trinken unterwegs hatte ich zwei billige Wasserflaschen vorne an den Schultergurten hängen. Die konnte ich bei Bedarf einfach ersetzen beim nächsten Einkaufs-Stop.
Mit dem Katadyn-Filter war ich übrigens sehr zufrieden. Allerdings war der Filter nach gut drei Wochen ziemlich verstopft, vor allem nach den Tagen rund um die Cochetopa Hills mit teils recht trübem Wasser. Ich hatte mir zum Monarch Pass im Resupply-Päckchen einen Ersatzfilter geschickt, so dass ich dann unterwegs den Filter wechseln konnte. Also nur ein Filter könnte schwierig werden auf der Strecke.
Hygiene
Ich hatte eine normale Zahnbürste dabei, und Zahntabs der Marke “therefore beauty” aus Deutschland, von denen auch ein Stück Seife. Dazu ein kleines Fläschchen Hand-Desinfektion und ein paar Alkohol-Tüchlein zum Desinfizieren. Zahnseide für die Zähne, … und zum Nähen für alle Fälle.
Ein Plastik-Rasierer (hatte keine Lust auf Bart), für die Nacht eine Pipi-Box. Ich muss öfter mal, und ich hatte keine Lust nachts im Dunkeln durch den Wald zu irren. Hat gut funktioniert, bis auf das eine Mal, als ich im Halbschlaf dachte ich hätte die Öffnung wie immer richtig getroffen. Das war nicht der Fall, und den Rest könnt Ihr euch denken ;-)
Für unterwegs noch ein Kula Cloth. Das nehmen hauptsächlich Frauen als “Pipi-Tuch” für unterwegs, aber ich fand’s auch für meine männliche Hygiene sehr hilfreich.
Fürs große Geschäft hatte ich eine stabile Plastikschaufel dabei, allerdings hatte ich es nie geschafft, ein ausreichend tiefes Loch zu graben. Wie zum Henker machen das die anderen Hiker, bei all den Steinen und Wurzeln im Boden? Mit Dynamit? Muss beim nächsten Mal ein paar Leute dazu fragen. Dann zum Saubermachen “Happy Po”, mit Wasser und einer kleinen Spritzdüse blieb ich “untenrum” damit schön frisch und sauber. Kein Toilettenpapier nötig, das man dann vor und nach Gebrauch mit sich trägt.
Erste Hilfe
Ich hatte eine etwas überflüssig große Menge an Pflastern, Ibuprofen und anderen Schmerzmitteln dabei. Hier kann ich beim nächsten Mal durchaus abspecken. Vieles davon bekommt man unterwegs, man muss nicht für die kompletten Wochen ausgestattet sein. Eine Nähnadel, Sonnenschutz, eine dünne Isolierdecke.
Elektronik
Mein iPhone mit GPS App (Maps 3D), dort hatte ich den Colorado Trail als GPX-Route geladen. Ich wollte keine Social Hiking App wie AllTrails, das iPhone sollte so viel wie möglich einfach ausgeschaltet sein. Ich hatte Musik und kleine Kopfhörer dabei - ich nutzte das allerdings sehr wenig. Beim Wandern kann ich das eh nicht gebrauchen, und im Zelt war es mir auch irgendwie komisch, die Außenwelt (Gewitter, Bären, Dinosaurier, …) nicht mitzubekommen.
Dann als Notfallsystem ein Garmin InReach - meine Familie konnte so meine Wanderfortschritte miterleben, und für den Fall der Fälle hätte es den Notfallknopf gegeben.
Eine Suunto Peak Pro GPS Armbanduhr. War sehr zuverlässig, schade nur, dass hinter der scheinbar finnischen Marke schon seit einiger Zeit ein chinesischer Eigentümer steckt.
Ein Solarpanel von Anker (das war einer der wenigen Amazon-Einkäufe). Zusammen mit einer ordentlichen Power Bank (Anker) wohl etwas oversized, aber ich wollte hier sehr auf Nummer sicher gehen. Beim nächsten Mal entweder ohne Solarpanel, bzw. eine Power Bank mit der halben Kapazität (und weniger Gewicht) würde es auch tun.
Als Kompaktkamera eine Panasonic Lumix DC-TZ202D, und zwei Ersatzakkus dafür. Leider ist fotografieren als Brillenträger, meist mit Sonnenbrille bei sehr hellem Licht etwas herausfordernd. So ist doch manches nicht so scharf geworden, wie ich es mir wünschte, bzw. der Fokus nicht an der richtigen Stelle. Und ich hatte noch eine blöde Verwackel-Korrektur für Videos aktiviert, dadurch wurden viele Videos arg ruckelig.
Merke: Vorab sich noch besser mit dem Kamerasystem und den Bedingungen vertraut machen!
Diverse Kabel und Adapter. Eine Stirnlampe.
Nützliches
Ein Mini Schweizer Taschenmesser. Ein Feuerzeug, umwickelt mit einem Vorrat an Duct Tape. Ein paar Kabelbinder. Ein Stück feste Kordel. Ein Tagebuch von Rite in the Rain, und ein einfacher Kugelschreiber. Eine Zip-Lock Tüte für Geld, Kreditkarte, Pass.
Navigation
Ich nutzte hauptsächlich das Colorado Trail Data Book, um die jeweils nächsten zwei bis drei Tage ungefähr zu planen. Am Tag schaute ich darin öfter nach der nächsten Wasserstelle, oder einem geeigneten Übernachtungsplatz. Das hat die meiste Zeit absolut ausgereicht. Ein paarmal nutzte ich noch meine GPS App am Handy, aber es gibt unterwegs am Trail kaum Stellen, die nicht gut bezeichnet sind.
Weiterhin hatte ich die Karten von National Geographic zum Colorado Trail dabei. Zum Wandern selbst habe ich sie nicht benutzt, aber es war schon schön, am Abend nochmal nach den Bergen, Seen, Flüssen zu schauen, die man gesehen hat. Und um sich für den nächsten Tag ein bisschen mit der Topographie vertraut zu machen.

Bird
Und dann hatte ich noch die Idee, einen kleinen Freund mitzunehmen. So hat sich “Bird”, ein kleiner Weißkopfseeadler, bei mir bemerkbar gemacht und er wollte unbedingt dabei sein. Er ist schon einige Jahre bei mir, und nun war es Zeit für ihn, ein bisschen die freie Natur und den unendlichen Himmel der Colorado Rockies kennenzulernen.
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