Colorado Trail 2024 - Tag 6 - Resupply in Jefferson
Breakfast Burrito, Dr. Pepper, ein Paket voller Vorräte: ein halber Tag Zivilisation in Jefferson — dann zurück in die Wälder am Rand des South Park.

Nach der Nacht am Campground beim Kenosha Pass ging es vormittags erst einmal per Anhalter hinunter nach Jefferson, um mir dort mein erstes Resupply-Paket abzuholen.
Streckendaten
- Strecke
- 15,9 km/9,9 mi
- Höhenmeter
- 583 m/1913 ft
- Höchster Punkt
- 3360 m/11023 ft
- Schwierigkeit
- leicht bis mittel
- Wetter
- sonnig, bewölkt, abends Gewitter
Der Tag begann gut ausgeruht am Campground. Tisch und Bank an meinem Platz waren bald belagert von den noch etwas feuchten Sachen vom Vortag und der Nacht. Ich hatte es nicht besonders eilig, so dass die Sonne schon schön wärmte, wie ich dann zum Hitchhiking in Richtung Straße loszog - mit einem kleinen Gruß an den Trail Magic Guy.
Meine letzte Anhalteraktion war schon Jahrzehnte her, so dass ich ein kleines bisschen aufgeregt war. Tatsächlich dauerte es doch ein bisschen, bis mich ein junger Kerl dann schließlich in Richtung Jefferson mitnahm. Er war auf dem Weg zum Rafting am Arkansas River, war ne coole Unterhaltung mit ihm. Nach ein paar Minuten Fahrt stieg ich in dem Mini-Kaff Jefferson aus, vergaß fast meine Stöcke im Auto…, und hinein ging es in den kleinen Jefferson Market. Außer diesem Mini-Supermarkt mit Grill gibt es hier nur noch ein paar weitere Häuser, aber das war genau das, was ich brauchte.
Zuerst einmal nahm ich mein Paket entgegen, das ich mir vorab hierher geschickt hatte. Müsliriegel, Nüsse, Dauerwürste etc., um meine geschrumpften Vorräte im Bear Container wieder aufzufüllen. Das hatte problemlos geklappt, und ich fand und finde es großartig, dass dieser kleine Market das als Service kostenlos anbietet.
Natürlich war es jetzt auch Zeit für eine erste warme Mahlzeit nach Tagen, der Breakfast Burrito schmeckte besonders lecker, dazu eine ordentliche Portion Dr. Pepper (oder zwei?). Ich saß dazu in einer gemütlichen Ecke inkl. Stromanschluß, so dass ich nebenbei noch Smartphone und Battery Pack aufladen konnte. Ich ließ mir Zeit, es war schön, einfach mal faul zu sein. Und ich genoß auch die Atmosphäre. Autofahrer, Rancher, Truck Driver schauten vorbei, und es gab netten und herzlichen Small Talk. Später zog ich mir noch etwas matschige French Fries mit Cheese rein, telefonierte ein bisschen mit meinen Liebsten, und gegen Mittag zog es mich wieder zurück zum Trail. Wieder per Anhalter zurück zum Kenosha Pass.
Mit merklich mehr Gewicht im Rucksack ging es nun wieder durch die Wälder und offenen Wiesen am Rande des South Park. Am Pass fiel mir ein umgebauter riesiger Pickup Truck auf, von dem gerade ein Pferd und ein Pony “entladen” wurden. Dazu später mehr. Jedenfalls hatte die Pause gut getan, und es war ein großer Genuss, diesen schönen und zuerst einfachen Trail zu wandern. Die Berge im Westen rückten jetzt merklich näher, und man konnte schon den Mt. Guyot sehen. In dessen Nähe liegt der Georgia Pass, den ich mir für morgen vorgenommen hatte.
An kleinen Creeks vorbei, wieder viele Wildblumen und Aspen zwischendurch. Und ein älterer sehr sympathischer Herr - Typ “Cowboy” - kam an mir vorbei, er ritt das erwähnte Pferd mit dem Pony als Lastentier. Schließlich gelangte ich zum Jefferson Creek, schon ein recht ordentlicher Bach, hier durften meine kochenden Füße ein wenig abkühlen. Es gab hier ein paar gute Plätze zum Zelten, und der Himmel wurde dunkler und versprach Regen. Ich hatte allerdings noch Lust auf ein paar Höhenmeter, und so ging es noch ein paar Kilometer weiter, jetzt in teilweise ordentlichem Anstieg.
Ein wenig Regen kam auf, es begann zu donnern, und so fand ich noch halbwegs trocken an einem kleinen Bach einen Platz für die Nacht. Es blieb allerdings bei leichtem Regen an diesem Abend. Ich blieb dennoch im Zelt, aß ein gutes Stück von der Tafel Schokolade aus meinem Resupply Paket (damit der Rest in den Bear Container passte!), und schlief heute Nacht erst einmal nicht so gut. Vermutlich lag es an der Höhe - immerhin gut 3300 m. Jedenfalls - wieder ein toller Tag mit gemütlichem Beginn, wunderschönen Abschnitten, und ein gutes Stück des Aufstieges bis zum Georgia Pass.
Tipps und Erfahrungen
Ich habe erwähnt, dass der kleine Jefferson Market kein besonders großes Angebot hat. Wenn es allerdings nur um Lebensmittel geht würde ich sagen, es reicht absolut aus. Ich hatte mir in der Planung für den Trail viel Gedanken gemacht um das Essen. Tatsächlich hätte ich mich auch gut ohne das zugesendete Paket in dem Market versorgen können.
Chips, Nüsse, Beef Jerky, Cracker, Schokolade, vielleicht auch ein paar Müsliriegel hätte ich auf jeden Fall bekommen. Und da ich mit dem mitgebrachten Essen leider eh meine Probleme hatte (generell kein großer Appetit, manches schmeckte mir nicht so gut), hätte ich mich auch genau so gut - und ohne die Kosten für das Senden des Pakets - an das Angebot des Markets halten können (das gilt auch für den weiteren Verlauf des Hikes).
Nur wenn man was Besonderes benötigt, Hiker Gear, Ersatzteile, Wasserfilter, … dann wäre das Angebot hier doch zu klein.
Kommentare
Weiterlesen

Colorado Trail 2024 - Tag 5 - Der Weg zum Kenosha Pass
Über offene Wiesen und durch weite Aspen-Wälder zum Kenosha Pass — Tag fünf brachte den ersten großen Blick auf den South Park und die schneebedeckten Berge im Westen.

Colorado Trail 2024 - Tag 4 - Aufstieg im Long Gulch
Über 3.000 Meter, Bergluft statt Hitze — und ein Hiker, der mir die zwei Tage zuvor verlorene Karte zurückbrachte. Tag vier im blühenden Long Gulch.

Colorado Trail 2024 - Tag 3 - Zur ersten Wilderness Area
Tag drei, Segment 3: knapp 26 Kilometer durch schattigen Wald bis an den Rand der Lost Creek Wilderness — und die erste Nacht wirklich allein.