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Colorado Trail 2024 - Tag 3 - Zur ersten Wilderness Area

Tag drei, Segment 3: knapp 26 Kilometer durch schattigen Wald bis an den Rand der Lost Creek Wilderness — und die erste Nacht wirklich allein.

Bernhard··3 Min. Lesezeit
Granitfelsen im Wald

Heute war das Segment 3 des Colorado Trail dran, und ein bisschen darüber hinaus. Los ging es in der Nähe des Little Scraggy Trailhead, und bis an den Rand des ersten Wildnis-Gebietes, die Lost Creek Wilderness.

Streckendaten

Strecke
25,7 km/16 mi
Höhenmeter
Keine Messung heute
Höchster Punkt
2680 m/8793 ft
Schwierigkeit
leicht bis mittel
Wetter
sonnig und sehr heiß

Kurz vor dem Wanderparkplatz “Little Scraggy Trailhead” ging es los, schon etwas besser organisiert beim Zeltabbau und Rucksack packen (d.h. genauer nur 1:45 h anstatt 2 h vom Aufwachen bis zum Loswandern). Was mir in der Nacht irgendwann auffiel war, dass es extrem still war. Ich hätte ein paar Nachtvögel oder das Rascheln von irgendwelchen kleinen Tieren erwartet, aber es war einfach nur … still. Unerwartet, und auch sehr schön. Das hat man in deutschen Wäldern so gut wie gar nicht - in irgendeinem Nachbardorf oder von einem Strässchen gibt es Geknatter, und auch die Nachttiere sind aktiver - bis hin zu schreckenden Rehen.

Es wurde schon recht früh warm, zum Glück gab es heute viel mehr Wald und Schatten - obwohl auch hier Spuren von einem Waldbrand zu sehen waren. Dazu deutlich mehr Wasser unterwegs, an diversen Bächlein konnte ich mich immer wieder erfrischen.

Aspen-Wald
Aspen-Bäume in der Nähe eines Bachs

Ein Großteil des Weges ging durch Nadelwälder. Dazwischen immer wieder kleine, frische Oasen mit Aspen-Bäumen, grünen Kräutern und schönen Blumen entlang der Bäche. Das war ein schöner Kontrast zu der “Durststrecke” gestern.

An einem Bach konnte ich einen Specht beobachten, der an einem Aspen-Baum hämmerte. Kaum war er weggeflogen, kam ein Kolibri und holte sich vermutlich frischen Saft aus der Rinde. War der weg, kam wieder der Specht. Und das wiederholte sich mehrere Male. Eine schöne, lustige und auch berührende Choreographie!

Der Trail selbst war gut zu laufen. Heute war Freitag, also nur ein paar Mountain Biker an diesem sonst an Wochenenden gut besuchten Teilstück. Auch Wanderer gab es nur vereinzelt. Ungefähr die erste Hälfte ging es auf und ab, mit einigen wilden Steinformationen aus Granit rings um den Wanderweg, nur gelegentlich Blicke in weitere Ferne.

Im Wald mit Blick in die Berge
Hin und wieder ein Blick auf Berge und Felslandschaften

Nach Überquerung des Buffalo Creeks wurde der Weg deutlich steiler. So gönnte ich mir in der Hitze des frühen Nachmittags erneut eine längere Pause im Schatten eines ordentlichen Granit-Klotzes. Einfach mal ne Weile faul sein, die Stille genießen, diesmal mit genug Wasser in den Flaschen, es fühlte sich einfach gut an.

Granitstein im Wald
Mein Pausenstein - ein bisschen Schatten in der Mittagshitze

Danach ging es noch ein gutes Stück aufwärts bis zum Rolling Creek Trailhead. Hier war wohl einer der öfter genutzten Nachtplätze für die Thru-Hiker. Ich hatte noch ein bisschen Kondition übrig, und auch Lust allein für mich zu sein - also noch einmal ca. 2 km weiter bis zu einem schönen, stillen Platz am Rande der Lost Creek Wilderness.

Kleiner Bach im  Wald
Ein Bach in der Nähe des Rolling Creek Trailhead

Das war nun die erste Nacht, in der ich wirklich allein zeltete, und ich verstaute meinen Bear Container in guter Entfernung zum Zelt. Abgesehen davon war ich nicht allzu unruhig, was das wilde Tierleben um mich herum anging. Noch ein bisschen Zeit am Zelt, ein paar Einträge ins Tagebuch mit einer Portion Snacks, dann ab auf die Isomatte und Zeit für eine ruhige und erholsame Nacht.

Insgesamt kein spektakulärer Tag, aber eine gute Strecke um noch mehr in den Wander-Flow zu kommen. Ich fühlte mich gut nach diesem Tag, und auch ein bisschen stolz darauf, dass ich mich schon so gut eingelebt hatte in die Routinen eines Thru-Hikers.

Tipps und Erfahrungen

Und noch ein Segment für Wochentage, an Wochenenden soll es hier recht voll werden mit Mountain Bikern.

Dieser Abschnitt lädt zur Kontemplation ein. Es sind nicht die großen, spektakulären Fernblicke, Seen, Felswände, … sondern die vielen kleinen Dinge, die sich entlang des Trails auftun. Wie ändert sich die Vegetation, mal mit mehr, mal mit weniger Wasser. Vögel, Schmetterlinge, Blumen, seltsame Felsformationen, knorzige Bäume etc. Es ist gut, daran nicht einfach vorbei zu gehen, an die folgenden großen Aufstiege etc. zu denken. Jeder Moment auf dem Trail ist ein Geschenk, jeder Moment im Hier und Jetzt ist wichtig. Und zu spüren, dass man jetzt wirklich (wirklich!) dieses unglaubliche Abenteuer begeht.

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Geschrieben von
Bernhard

Schreibt über Musik, Reisen, Wandern, Natur und Gedanken.

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